Was es heißt, ein Drehbuch zu schreiben – Teil I

Was es heißt, ein Drehbuch zu schreiben – Teil I

In den kommenden Tagen und Wochen möchte ich als Autor unseres Abschlussfilms Hypnophobia ein bisschen darüber schreiben, was es bedeutet, eine Geschichte zu entwickeln. Ich hoffe, dass der Entstehungsprozess unseres Films dadurch interessanter und transparenter für alle die, die Interesse daran haben, wird. Aber auch für angehende Autoren, die vielleicht noch kein Studium absolviert haben und noch vom Schreiben träumen sollen diese Beiträge etwas Licht ins Dunkel bringen.

Zunächst einmal möchte ich über Klischees und Romantik sprechen.

Wenn ich darüber nachdenke, mit welchen Klischees ich selbst einen Autoren, ganz gleich ob für Drehbücher, Romane oder Theaterstücke, beschreiben würde, dann fallen mir als erstes immer zwei ein.

1. Der erfolgreiche Autor

Welcher auf dem Balkon seines Anwesens in einem bequemen Klappstuhl sitzt, neben sich ein Tischlein mit einem Cocktail – nein, einem Glas Weißwein – einer Schreibmaschine und jeder Menge Papier, beschrieben sowie unbeschrieben. Er genießt die Aussicht, die die Toskana ihm bietet und es weht ein leichter Wind, durch den sein Haar weht und sein offenes, weißes Hemd den Blick auf einen gebräunten Oberkörper freigibt. Oder er blickt, vorbei an den leichten Vorhängen, ins innere seines Schlafzimmers zu seiner hinreißenden Frau, die auf dem Bett liegt und liest. Und dann schreibt er wie von Zauberhand ein paar Seiten und jedes seiner Wort ist wie Gold.

2. Der nicht mehr so erfolgreiche Autor

welcher zwar den einen oder anderen Hit gelandet hat, jetzt aber in seinem billigen Anzug und mit seinem MacBook bei Starbucks sitzt und darauf hofft, seine Schreibblockade zu überwinden. Vor ihm eine leere Seite, die sich immer wieder mit einem Satz füllt, den der Autor schneller wieder löscht, als er ihn schreiben konnte, sowie eine Tasse Kaffee, die vor sich hin dampft. Im Hintergrund läuft leichter Jazz, Soul oder Blues, die Atmosphäre ist ruhig, viele Geschäftsleute sitzen hier. Niemand kommuniziert, alle starren angestrengt auf ihre Bildschirme. Was den Autoren eigentlich beschäftigt ist nicht seine Schreibblockade, sondern sein eigenes Liebesleben, aber das hat er selbst noch nicht erkannt.

Doch Autor zu sein hat wenig mit diesen Klischees zu tun.

Das Autorentum ist an allererster Stelle erstmal ein Handwerk, Talent hin oder her. Wer Autor werden will, sollte sich darüber klar sein, dass eine Geschichte, wenn sie einen erstmal gefangen hat, nicht mehr so schnell loslässt, man also wenig Momente hat, in denen man an etwas anderes denkt. Das Schreiben bedeutet auch, zu beobachten, zu reflektieren, zu zweifeln, sich selbst besser kennen zu lernen und in gewisser Weise auch zu leiden. Warum das so ist, steht in den folgenden Beiträgen.

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