Was es heißt, ein Drehbuch zu schreiben – Teil IV

Was es heißt, ein Drehbuch zu schreiben – Teil IV

Nachdem ich beim letzten Mal darüber geschrieben habe, woraus die meisten Geschichten bestehen, geht es diesmal darum, was nicht drin sein muss bzw. sollte. Denn das Kürzen und Komprimieren der eigenen Texte ist ein sehr wesentlicher und wichtiger Schritt, damit die Story auch eine gewisse Wucht hat.

Was heißt „Komprimieren“ überhaupt?

Wie ich bereits erwähnte, sind Geschichten Dichtung und basieren somit wiederum auf Verdichtung. Damit die Höhen und Tiefen einer Geschichte aber noch stärker wirken, ist es wichtig, die Teile, die die Spannung eher abschwächen, zu entfernen. Nicht umsonst werden in Filmen nur selten die Wege von A nach B gezeigt. Warum auch? Wen interessiert denn schon, wo unser Protagonist langgeht oder -fährt?

Dadurch, dass diverse Teile einer Geschichte weggelassen werden, entsteht ein gewisses Tempo. Das Aufeinanderfolgen von Ereignissen hat einen eigenen Takt und man spricht von einem Erzählrhythmus. Wichtig dabei ist auch zu verstehen, dass es einen Unterschied zwischen Geschichte und Erzählung gibt. Die Erzählung ist, was wir dem Leser oder Zuschauer an Informationen geben, die Geschichte ist aber weitaus mehr. Und damit die Erzählung logisch bleibt, ist es wichtig, zunächst die vollständige Geschichte zu kennen.

Kürzen erzeugt Spannung.

Natürlich lassen sich auch scheinbar wichtige Informationen auslassen. Im Horror zum Beispiel ist es eine gute Idee, nicht zu viele Informationen über den Täter, das Böse oder was auch immer den Helden terrorisiert preiszugeben. Dadurch entsteht ein gewisses Mysterium, der Zuschauer kann sich nie ganz sicher sein, zu was das Böse wirklich in der Lage ist. Das macht es scheinbar übermächtig, selbst wenn es sich dabei nur um einen normalen Menschen handelt. Und wenn der Held oder die Heldin dieser Übermacht begegnet, entsteht Spannung.

Woher weiß man, was man kürzen sollte und was nicht?

Oft steht man als Autor vor der Frage, wie viele Informationen die Zielgruppe erhalten muss, damit sie noch genug von dem, was passiert, versteht. Denn zu viel Information ist oft langweilig. In der Regel macht es mehr Spaß, wenn man als Leser, Zuhörer oder Zuschauer mitdenken kann. Zu viel Information kann dabei kontraproduktiv sein. Ein richtiges Mittelmaß zu finden, ist eine durchaus schwierige Aufgabe, zumal jeder Mensch eine unterschiedliche Menge an Information benötigt, um sich seinen Teil zu denken.

Der Prozess des Kürzens ist also nicht zu unterschätzen. Wenn ich eine Geschichte kürze, versuche ich immer, mich in die Rolle des Lesers zu versetzen. Das ist gar nicht so einfach, weil man auf einmal alle Informationen ausblenden muss, die man als kreativer Kopf, der man eigentlich ist, natürlich sowieso hat. Deshalb kann es oft nicht schaden, andere die eigenen Texte lesen zu lassen. Trotzdem versuche ich immer, meine Texte zu analysieren und zwar darauf hin, welche Informationen preisgegeben werden und ob diese preisgegeben werden müssen. Hier zieht meistens das Prinzip „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“.

In der Kürze liegt die Würze.

Deshalb fliegen bei mir oft Informationen raus, die nicht zwingend nötig sind. Dazu gehören Wege von A nach B und bestimmte Verhaltensweisen, die eine Figur nicht stark genug charakterisieren. Auch Details, die nur einer Information, nicht aber einer Emotion dienen und Dialogteile, die zwar realistisch sind, aber die Story nicht voranbringen, fliegen meist raus. Entfernt man unnötigen Ballast, wirken Geschichten oft sehr viel kompakter, prägnanter und bleiben auch besser im Gedächtnis hängen, weil es schlicht einfacher ist, sich weniger zu merken.

Was übrigens auch dafür sorgt, dass Geschichten besser im Gedächtnis bleiben und teilweise sogar als weitaus besser wahrgenommen werden, als sie eigentlich sind, ist ein gelungenes Ende. Warum das so ist und welche Mittel es gibt, um so etwas zu erreichen, schreibe ich beim nächsten Mal.

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