Was es heißt, ein Drehbuch zu schreiben – Teil II

Was es heißt, ein Drehbuch zu schreiben – Teil II

Letzte Woche ging es darum, mit welchen Klischees ich das Autorentum behaftet sehe. Diesmal möchte ich weniger darüber reden, was ein Autor nicht ist und mehr darüber, was er ist.

Autor zu sein bedeutet, ein Handwerk zu beherrschen.

Nicht umsonst gibt es etliche Möglichkeiten, sich zum Autor ausbilden zu lassen – völlig egal, ob für Drehbücher, Romane, Videospiele oder Theaterstücke. Zwar ist in dieser Branche der Abschluss weitaus weniger wert, als in den meisten anderen, eine Ausbildung selbst ist aber durchaus von Bedeutung.

Jede halbwegs erfolgreiche Geschichte folgt einer gewissen Struktur. Die wohl bekannteste ist das typische Drei-Akt-Modell: Anfang, Hauptteil, Schluss. Doch auch die sogenannte „Heldenreise“, auch „Monomythos“ genannt, erfreut sich großer Beliebtheit unter Autoren. Zu diesen verschiedenen Strukturtheorien lässt sich viel sagen und diskutieren, was sie aber alle gemeinsam haben, ist ein bestimmtes Prinzip.

Wir lernen einen Helden kennen, er steht vor einer Herausforderung und überwindet diese.

Natürlich ist das sehr pauschal und die Begriffe „Held“, „Herausforderung“ und „überwinden“ sind nicht immer die zutreffendsten, dennoch folgt jede Geschichte diesem Muster. Am Anfang steht immer die Kennenlernphase, auch „Exposition“ genannt, während der wir mit der Hauptfigur und ihrer Situation bekannt gemacht werden. Dann wird sie in einen Konflikt geworfen und versucht, diesen zu überwinden. Am Ende der Geschichte hat diese Überwindung, der Kampf mit einem Gegenspieler oder das Lernen einer Lektion Spuren hinterlassen und die Hauptfigur geformt.

Wenn man begreift, wie wichtig es ist, einer gewissen Erzählstruktur zu folgen – und dabei muss man sich nicht unbedingt an Konventionen halten – hat man schon einen großen Schritt in die richtige Richtung getan. Man hat sozusagen das Skelett oder Rückgrat seiner Geschichte entworfen. Natürlich ist das bei weitem noch nicht alles, aber anhand dieses Beispieles sollte erkennbar sein, dass es sich beim Schreiben nicht bloß um einen kreativen Fluss handelt. Ganz im Gegenteil ist sich ein guter Autor zu jedem Zeitpunkt des Schreibprozesses darüber bewusst, an welchem strukturellen Punkt sich sein Held gerade befindet.

Eine Geschichte zu schreiben ist, wie ein Haus zu bauen.

Das Thema ist das Fundament, die Struktur das Gerüst. Die Welt, in der die Handlung spielt, ist wie die Wände und jede Figur ist eine Tür. Jeder Raum ist deren Motivation und alles, was darin steht, liegt und hängt, ist eine Emotion.

Natürlich fängt man nicht an, Bilder an die Wände zu hängen, bevor das Gerüst steht. Man hat vielleicht eine Vorstellung davon, die einem vorgibt, wie das Gerüst ungefähr aussehen sollte, doch genau wie ein Architekt muss man zuerst dafür sorgen, dass die Geschichte in sich „stabil“ ist.

Braucht man Talent?

Es wird also schnell klar, wie umfassend die Arbeit an einer Geschichte ist. Diese Komplexität eines Schreibprozesses ist gleichzeitig ein Fluch und ein Segen. Zwar ist es ungeheuer anstrengend, erstmal das Gerüst einer Geschichte aufzubauen, wenn man eigentlich direkt an der Szene arbeiten möchte, doch gleichzeitig bietet diese Eigenschaft jedem die gleichen Chancen.

Ich bin davon überzeugt, dass man kein Talent haben muss, um ein erfolgreicher Autor zu werden, solange man bereit ist, das Handwerk zu lernen und Geduld walten zu lassen. Das wichtigste zu Beginn des Schreibprozesses ist eine gute Idee, also das Fundament. Darüber, wie man dazu kommt, schreibe ich nächste Woche.

Menü schließen